 Nr.: 196/08.02.2010
Vorsicht Kamera!
Eine Demonstration in Teheran. Ein Reporter fotografiert. Das Bild geht um die Welt, erscheint auf Titelseiten, in Tageszeitungen und Magazinen. Zwei Männer halten Steine in der Hand. Kein Zweifel, sie wollen damit werfen. Sie sehen wie Intellektuelle aus, vielleicht sind sie Familienväter. Das Bild ist scharf. Der Fotograf hat einen starken Moment erfasst. Reporterglück. Doch in dem Moment, in dem es weltweit erscheint und die Agenturen es verbreiten, wird es zum Fahndungsfoto. Die iranische Polizei geht damit in die Häuser. Sie wird es nicht schwer haben, die Steinewerfer zu identifizieren. Sie sind vermutlich längst in Haft. Vielleicht wurden sie verschleppt, vielleicht gehören sie zu denen, die zum Tode verurteilt wurden. Todesurteile werden schnell vollstreckt im Iran. Das Dilemma der Aufklärung: Der Fotograf wird zum Zeugen der Anklage. Er wird nicht vorgeladen. Sein Bild ist Beweis genug. Er hat nur seinen Job gemacht, wie der Redakteur, der das Bild ins Blatt gehoben hat. All the news that’s fit to print.
Emanuel Eckardt |
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