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Nr.: 104/21.04.2008



Schreiben für lau

In Deutschland gelten Journalisten-Blogs als unfein, Wichtigtuerei, Armeleutegeschreibsel. Doch solche Blogs (wie die von Niggemeier, Knüwer, Meyer, Jarchow) sind wunderbare Möglichkeiten, lästige Hierarchien zu umgehen: Keine Zeitverzögerung, keine Zensur, kein Ärger.

Warum aber (fragen besorgte Kollegen) schreiben solche Leute für lau? Für eine Handvoll Leser? (Müsste man nicht umgekehrt fragen: Was ist mit unseren Medien los, dass Journalisten das tun?) Hier ein paar Motive, alphabetisch geordnet:

  1. Sie wollen nicht, dass man ihnen reinredet.
  2. Sie haben einfach zu allem eine Meinung.
  3. Sie sind Besserwisser.
  4. Sie ertragen vorgesetzte Dummheit nicht.
  5. Sie wollen Schriftsteller sein.
  6. Sie haben als Kind schon gern geschrieben.
  7. Sie sind viel zu nervös, um nur einen Text pro Woche zu veröffentlichen.
  8. Sie brauchen die Abwechslung.
  9. Sie möchten etwas riskieren (notfalls den Job).
  10. Sie wollen Staub aufwirbeln.
  11. Sie würden sich sonst langweilen.
  12. Sie wollen Sand ins Getriebe streuen.
  13. Sie wollen später mal sagen können: Ich bin dabei gewesen.
  14. Sie wollen sich später nicht fragen lassen: Warum habt ihr es nicht verhindert?
  15. Sie wollen die Medien besser machen.
  16. Sie wollen die Welt besser machen.
  17. Sie platzen vor Ehrgeiz.
  18. Sie wollen in Übung bleiben.
  19. Sie wollen Netzwerke bilden.
  20. Sie wollen Seilschaften bilden.
  21. Sie bewerben sich ständig für höhere Aufgaben.
  22. Sie lieben die Selbstinszenierung.
  23. Sie haben Organisationstalent.
  24. Sie haben eine Geschäftsidee.
  25. Sie sind Unternehmer.
  26. Sie machen es, weil sie es können.
Aber Vorsicht! Man kann sich auch totbloggen.

Wolfgang Michal

 
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