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Keine Rente f?r Wallraff! |
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Günter Wallraff, 65, könnte sich zufrieden zur Ruhe setzen. Auf seine alten Tage müsste er keine kleinen Brötchen mehr backen. Aber Wallraff findet keine Nachfahren, die ihn ersetzen könnten - obwohl die Kluft zwischen denen da oben und denen da unten wächst. Also muss Wallraff bis zum Sankt Nimmerleinstag weiter machen. Muss Rennrad fahren und Marathon laufen und sich 15 Jahre jünger schminken, um jene Jobs zu kriegen, die eigentlich für die 30-Jährigen gedacht sind. Aber wo, bitte, sind die 30-jährigen Journalisten?*
Ihnen geht die Arbeitswelt der Armen am Arsch vorbei.
Sie kleistern ihre Lifestyle-Blättchen lieber mit Mode, Geschenktipps und Fotogalerien zu. Sie interviewen Stars und porträtieren „Erfolgstypen“. Sie richten sich ein in ihren immer gleichen Mittelstandsmedien, und schreiben ihre Mittelstandskolumnen über ihre Mittelstandsprobleme, während die Sozialreportage („Oh Gott, bloß das nicht!“) fast gänzlich verschwunden ist. Arme & Arbeiter kommen in den Medien nur noch vor, wenn man sie denunzieren kann (Hartz-IV-Schlampen, Kinderverwahrloser, Bildungsdeppen). Für etwas stehen, etwas riskieren, sich schmutzig machen, das ist nicht das Ding der jungen Reporter. Sie wollen bloß unterhalten.
Opa Wallraff wird’s schon richten.
Wolfgang Michal
*Das Durchschnittsalter der 2008 für den Egon Erwin Kisch-Preis nominierten Journalisten liegt bei 53,5 Jahren
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