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Ich muß es an dieser Stelle einmal laut und öffentlich monieren: Kriegsverbrechen als solche zu benennen ist kein Antisemitismus. Öffentliche Kollegenschelte macht unbeliebt. Trotzdem: Ich lese zum Krieg in Gaza fast keine deutschen Zeitungen mehr. Die Berichterstattung ist in großen Teilen unerträglich. Natürlich gibt es Ausnahmen, und ich ziehe vor den Kollegen, die vor Ort sind und sich um Analyse, Einblick und Übersicht bemühen, den Hut und zolle ihnen explizit meinen Respekt. Doch ingesamt gilt leider: Die deutsche Vergangenheit hat die Journalisten, vor allem die Kommentatoren und Leitartikler, fest im Griff, lähmt die Urteilsfähigkeit, macht mundtot. Und das nicht nur in den Blättern des Axel-Springer-Verlags, wo das Bekenntnis zu Israel eine Art Einstellungsvoraussetzung ist. "Warum tötest Du, Ayat?" fragte die ZEIT letzte Woche auf dem Titel, die Geschichte handelt von einer Selbstmordattentäterin, die sich am 29. März 2002 (!!!!) in die Luft gesprengt und dabei eine Israelin getötet hat. Die Zahl der Toten in Gaza hat kürzlich die 1000 überschritten. Ich will hier keine Toten gegen Tote aufrechnen. Aber "Warum tötest Du, Ayat?" ist nicht die Frage, die ich mir im Januar 2009 stelle. Blattkritiker in jener Woche bei der "ZEIT" war übrigens Mathias Döpfner, Vorstandvorsitzender des Axel-Springer-Verlags. Er lobte den Titel in höchsten Tönen. sf |