Heute: Das Interview
Hanns-Georg Rodeck berichtet in der „Welt“ über eine Form von Zensur, die in Deutschland um sich greift: das so genannte Autorisieren von Interviews - das Kontrollieren des Textes durch den Interviewten vor der Veröffentlichung.
Inzwischen hat sich das Zensurbedürfnis weiter verschärft. Die Interviewten wollen nicht nur im Nachhinein heikle Passagen aus ihren Antworten streichen oder verändern, sie verlangen auch immer öfter vor dem Interview die totale Unterwerfung des Interviewers – sonst komme ein Gespräch nicht zustande. Eine besonders perfide Rolle spielen dabei die PR-Agenturen, die sich den Interviewern gegenüber gerne mal aufplustern.
Dass auch Journalisten durch rabiate Verdrehungen, erfundene Antworten, sinnentstellende Kürzungen und verfälschende Überschriften zur Zensur-Praxis beigetragen haben, wollen wir natürlich nicht verschweigen.
Und dass Journalisten (die sich gern an Promis heranwanzen) keineswegs gezwungen sind, sich zu Handlangern des PR-Apparats zu machen, verschweigen wir ebenfalls nicht.
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